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Dealbreaker Kündigungsfrist und lange Planungszeiten der Deutschen

Sie brauchen die Deutschen, aber wie lange wollen Unternehmen im Ausland auf euch warten?



Hier bei Careertrotter arbeiten wir mit Kunden und Kandidaten in ganz Europa. Wir vermitteln Kandidaten aller möglicher Sprachen an verschiedenste Länder, hauptsächlich nach Irland, die Niederlande, aber beispielsweise auch Polen, Tschechien oder Griechenland. Natürlich fallen uns dabei täglich die kulturellen Unterschiede und Missverständnisse zwischen verschiedenen Nationen auf.

Ich hatte vor Kurzem ein sehr nettes Gespräch mit einem deutschsprachigen Kandidaten.

Es war ein erster Screening Call und, da ich ebenfalls Deutsch spreche, habe ich schnell gemerkt, dass er Potenzial für eine unserer deutschen Stellen in Irland hat. Nicht aufgrund eines absolut herausragenden Lebenslaufes, sondern hauptsächlich aufgrund seiner Sprache und der Tatsache, dass er freundlich war und Erfahrung in den für diesen Jobs relevanten Bereichen gesammelt hatte.

Uns Recruitern in Irland ist es immer eine Freude, Deutsche ans Telefon zu bekommen, da unsere Kunden immer nach deutschsprachigem Personal suchen. 

Deutsche gelten als “hard to find” und haben daher schon allein aufgrund ihrer Sprache extrem hohe Chancen, einen guten Job im Ausland zu finden. 

Ich war mir bei meinem Kandidaten jedenfalls sicher, dass es passt und dennoch konnte ich ihn nicht vermitteln. Und was war der Grund dafür? Das Startdatum! Genauer gesagt, die Kündigungsfrist seiner Wohnung. Und das war nicht das erste Mal, dass so etwas vorkommt. Sehr oft ist es der Fall, dass sowohl der deutsche Kandidat Interesse an einer bestimmten Stelle hat, als auch unser Klient an dem Kandidaten. Und dennoch scheitert es am Datum des ersten Arbeitstages.

Meistens trifft nämlich das für uns Deutsche typische Verlangen nach langer Planung und Sicherheit sowie unsere Kündigungsfristen auf das Verlangen der Unternehmen, ihre Stellen schnellstmöglich zu besetzen.

Die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, teilen uns meist mit, dass sie in 2 bis 4 Wochen jemanden für eine bestimmte Stelle brauchen. Und dieser Kandidat muss dann auch wirklich in spätestens 4 Wochen vor Ort sein, damit es bei dem Klienten nicht zum Personalmangel kommt. Da ist Spontanität gefragt, eine Eigenschaft, die wir im Normalfall nicht unbedingt in die Wiege gelegt bekommen. Es ist aber auch kein Wunder, dass wir so denken, wenn man sich einmal die Dauer der Bewerbungsprozesse in Deutschland ansieht.

Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich versucht habe, mich auf simple Praktikumsstellen in Deutschland zu bewerben. Meine Freunde (die ebenfalls ein Praktikum brauchten) und ich haben bereits 6 Monate im Voraus unglaublich gestresst Bewerbungen versendet, mit dem Ergebnis, dass man gefühlt 3 Monate später eine Rückmeldung bekommt. Jeder sagt dir “Bewirb dich lieber 6 Monate im Voraus sonst kannst du es vergessen!” Zugegeben, ich habe selbst nichts dagegen, da ich mir somit genug Zeit nehmen kann, um mich mental darauf einzustellen, alles zu planen und das Beste: Bevor ich alles stehen und liegen lasse und gegebenenfalls in eine neue Stadt ziehe, habe ich die 100%ige Sicherheit, den Job in der Tasche zu haben und gehe keine Risiken ein. So sind wir das eben gewohnt.

Wenn es aber zum Arbeiten im Ausland kommt, müssen wir unsere deutsche Denkweise einmal ablegen und darauf vertrauen, dass wir schon etwas finden werden, gerade aufgrund der Sprache. Im Fall meines Kandidaten wollte der Klient, dass er innerhalb von 4 Wochen nach Irland zieht und startet. Allerdings hatte er eine 3-monatige Kündigungsfrist für seine Wohnung. Die Kündigung wollte er natürlich auch nicht vorher einreichen, da ja auch noch kein sicheres Jobangebot vorlag. Hätte er seine Kündigung allerdings schon zu Beginn seiner Suche eingereicht, hätte er nun direkt starten können. Und das sicherlich nicht nur bei diesem einen Klienten in Irland, sondern sicherlich auch bei mehreren passenden Stellen in ganz Europa.

Lange Rede kurzer Sinn: Unternehmen in Irland oder anderen europäischen Ländern starten den Bewerbungsprozess nicht 3 Monate vorher wie in Deutschland, sondern erst 2 bis 4 Wochen vor dem ersten Arbeitstag. Kein Unternehmen sagt einem fest zu und wartet dann 3 Monate, bis man tatsächlich anfängt, dort zu arbeiten. Die Prozesse gehen hier (für deutsche Verhältnisse) recht schnell, was bedeutet, dass wir Deutschen sehr viel spontaner, flexibler und etwas risikobereiter sein müssen, wenn wir im Ausland arbeiten wollen. Bestenfalls reicht man seine 3-monatigen Kündigungsfristen bereits im Voraus ein und macht sich erst dann auf die Suche nach Jobs im Ausland. Mit ein bisschen mehr Vertrauen darauf, dass man gerade als Deutscher in drei Monaten (während also die Kündigungsfrist bereits läuft) mehr als genug Zeit hat, um eine passende Stelle im Ausland zu finden.